September 2005

Je mehr wir uns Gott nähern, der Nabe des Rades und dem Mittelpunkt unseres Lebens, desto näher kommen wir uns auch gegenseitig, selbst dann, wenn wir auf ganz verschiedenen Pfaden - den Speichen des Rades - reisen.

aus: Henri Nouwen, Ich hörte auf die Stille

August 2005

Orientierung, nach der heute so viel gerufen wird, kann nur von Orientierten kommen.

Bundespräsident Horst Köhler auf dem Weltjugendtag

Juli 2005

So spricht der Herr: Durch Warten und Ruhe sollt ihr gerettet werden. In Stille und Vertrauen liegt eure Kraft.

Jesaja 30,15

Juni 2005

Wer vollkommen bekehrt ist, geht an jegliche Erfahrung nicht mit der Frage heran, ob sie ihm gefällt oder nicht, sondern was er daraus lernen kann.

aus: Richard Rohr, Wer loslässt, wird gehalten

Mai 2005

Wort des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg zum 60. Jahrestag des Kriegsendes

In Sorge darüber, dass das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren – für das wir Gott danken – von rechtsextremen Kräften missbraucht wird, um Geschichte zu fälschen und Hass und Menschenverachtung zu schüren, erklären wir, die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg:

1. Gott spricht durch sein Wort zu uns: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst“ (Dtn 6,5; Lev 19,18; Lk 10,27). Wir sagen Ja zu Gott, unserem Schöpfer, und Ja zur Gottebenbildlichkeit und unantastbaren Würde aller Menschen, weil sie von Gott gewollt und geliebt sind. Deshalb sagen wir Nein zum Hass, zu menschenverachtendem Nationalismus, zu Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft. Wir sagen Nein zu jeder Form der Abwertung, Verachtung oder Unterdrückung von Menschen, gleich welcher Sprache, Hautfarbe, Nationalität, Religion und Weltanschauung.

2. Gott spricht durch sein Wort: dass er „uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat“ (2 Kor 5,18). Wir sagen Ja zu Christus, der unser Friede ist, der am Kreuz die Schuld der Welt auf sich nahm, und zur Liebe sogar gegenüber Feinden herausfordert. Darum sagen wir Nein zu Krieg, zu Feindschaft und Terror. Wir sagen Nein zu jeder Form von legalisiertem Hass und Nein zur Ausgrenzung und Dämonisierung von Menschen, Gruppen und Völkern.

3. Gott spricht zu uns durch sein Wort: „Hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt“ (Lk 12,15). Wir sagen Ja zum gerechten Miteinander-Teilen aller uns von Gott anvertrauten Güter. Wir sagen Ja zum Geist uneingeschränkter Solidarität mit unseren Nächsten und zur Barmherzigkeit mit den Armen weltweit. Deshalb sagen wir Nein zur Habgier, die so oft Ursache von Konflikten und Kriegen war. Wir sagen Nein zur Gewinnsucht in Familien und Interessengruppen, in Firmen und Konzernen, in Staaten und Nationen.
Darum bitten wir Gott um Liebe, Frieden und Barmherzigkeit. Wir beten darum, dass sein Reich komme und dass sein Wille geschehe, im Himmel und auf Erden.

April 2005

Jahr um Jahr hämmert man uns ein, dass ein Mann ein Turm der Stärke sein muss, der nie ins Wanken gerät. Gefühl und Güte sind nur etwas für Weichlinge. Zu Hause ist es männlich, Holz zu hacken oder das Auto zu reparieren, unmännlich dagegen, beim Geschirrspülen oder anderer Hausarbeit zu helfen. Im Büro ist es männlich, sich mit eiskalter Cleverness der Gewinnspanne zu widmen; einem Mitarbeiter gegenüber Mitgefühl und Sorge zu erweisen, wäre höchst unmännlich. Kurzum, wir haben uns einer Vorstellung verschrieben, dass unsere Männlichkeit direkt proportional ist zu der Fähigkeit, wie fabelhaft wir unsere starke, schweigende Rauhbeinigkeit tragen. Und was ist das Ergebnis? Bei der überwiegenden Mehrheit älterer Ehepaare werden Sie eines von beidem feststellen: Entweder: der Mann ist verstorben, und seine Frau hat ihn um Jahre überlebt. Oder: falls beide noch leben und einer kränkelt, dann ist es viel häufiger der Mann. Der Turm der Stärke wird von seiner Frau gepflegt, herumgefahren und gefüttert. Er ist das Opfer eines unausgesprochenen Gesellschaftscodes, der es mit der Männlichkeit für unvereinbar erklärt, zu weinen, Hilfe zu suchen, Güte auszudrücken oder in anderer Weise aufgestaute Gefühle freizusetzen. Im Laufe der Jahre verschleissen Schuld, Ängste und Frustrationen Körper und Geist bis zur völligen Erschöpfung... Wir leiden an einer weitverbreiteten Epidemie der Pseudo-Männlichkeit. Sie hat unsere ganze Existenz auf eine Leistungsbasis gestellt, bei der Erfolg oder Misserfolg unseres Mannseins mehr durch das bestimmt wird, was wir tun als durch das, was wir sind.

aus: Dan Benson, Der totale Mann